Programm (Stand 20.4.2016)

Freitag, 22. April 2016

ab 13 Uhr

Anreise und Check-In

Garderobe / Möglichkeit zum Mittagessen / Informationsstände u.a. von ver.di, DJV, Pensionskasse Rundfunk, Versorgungswerk der Presse.

Eröffnung:
Wer sind wir, und wenn ja, wie viele?

Das Spektrum der ARD-Interessenvertretungen für Freie reicht von Personalräten über die institutionalisierte Freienvertretung und den eingetragenen Verein bis zur „wilden“, ausschließlich ehrenamtlich arbeitenden Freieninitiative. Gewerkschaften und Verbände, berufsspezifische Fachgruppen, regionale bis internationale Netzwerke engagieren sich. Rundfunkräte, Medienpolitiker, Führungskräfte der ARD-Sender setzen die Rahmenbedingungen. Alle gemeinsam wollen wir einen Kongress abhalten – gleich zu Beginn wollen wir uns miteinander bekannt machen, denn eins ist klar: Wir sind viele.
14:45 Uhr

Podiumsdiskussion:
Garanten der Rundfunkfreiheit oder billige Personalreserve?

Als vor fast 35 Jahren das Bundesverfassungsgericht über die Rolle der Freien im Rundfunk urteilte, hatte es vor allem selbständige Autoren, meinungsstarke Kommentatoren und profilierte Moderatoren vor Augen. Seitdem hat sich viel getan. Es gibt sie noch, die „klassischen Freien“. Aber für den Regelbetrieb in den Sendern sorgen heute zehntausende Freie, die im selben Dienstplan wie die Festen dieselben Aufgaben erfüllen, nur eben ohne Kündigungsschutz und billiger – schon wegen der Altersversorgung. Wie sich die Welt der Rundfunk-Freien verändert hat und welche rechtlichen Grundlagen heute nötig sind, darüber diskutieren

  • Dr. Claudia Nothelle, Programmdirektorin (rbb)
  • Frank Werneke, stellvertretender Bundesvorsitzender ver.di
  • Knud Zilian, HR-Personalrat (DJV)
  • Stefan Gelbhaar, Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses (Grüne)
  • Kerstin Schweighöfer, Vorsitzende Weltreporter.net
  • Moderation: Daniel Bouhs

 

Panels jeweils 16:30 Uhr

Service:
Alt und arm – wie viel Schutz muss wirklich sein?

Nach dem Freien-Boom in den 80er Jahren erreichen viele langjährige Freie das Rentenalter. Und viele wundern sich, wie niedrig die gesetzliche Rente ausfällt. Während die Altversorgung der Festen die Finanzen der Sender zerrüttet, ruiniert die freie Beschäftigung die Rentenempfänger. Sozialexperte Michael Hirschler vom DJV über Versorgungsfallen für Freie und Tipps für Vorsorgestrategien. DJV-Versicherungsmakler Helge Kühl nimmt Versicherungsangebote für Freie unter die Lupe. Im Anschluss stellen Ingmar Wollscheid und Matthias Holdermann das Presse­versorgungswerk und seine Leistungen für Freie vor.

Workshop:
Alles ist möglich!

Krankengeld ab dem 1. Tag? Kein Problem beim Bayerischen Rundfunk, dort gibt es sogar Familienzuschlag für Freie. Bezahlte freie Tage nach einem Todesfall in der Familie? Gibt es fast in jedem Sender – aber nur für Feste. Zwar gibt es fast nichts, was es nicht gibt bei den sozialen Leistungen der ARD-Sender, aber eben nicht für jeden. Wir wollen in diesem Workshop Äpfel und Birnen vergleichen. Und nachrechnen, warum die 42 rbb-Urlaubstage weniger einbringen als die 31-SWR-Tage. Dass es Unterschiede gibt zwischen den Sendern und zwischen Festen und Freien, wissen wir längst – jetzt wollen wir dokumentieren, wie hoch sie sind.

Neue Technik, neue Arbeit

Die Automatisierung in öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten schreitet unaufhörlich voran. Neue Technik scheint dies zu ermöglichen. Technikfirmen suggerieren mit Programmen wie VPMS, FlexiImage, Pandora, Robotnik-Technik mit VizrT den sparwütigen Sendeanstalten einen nachhaltigen Personalabbau. Gestandene Berufsbilder wie Redakteure, Ton-Ingenieure, bildgestaltende Cutter, Regisseure, Kameraleute usw. verschwinden zunehmend – Mediengestalter, Packager, Content-Producer, Sendepiloten, On-Air-Editor, Lichttechniker übernehmen immer mehr die Sendeaufgaben. In den bestehenden Honorarrahmenverträgen sind die erweiterten Arbeitsfelder der neuen Leistungsarten kaum erfasst – geschweige denn entsprechend des exorbitant gestiegenen Arbeitsaufwandes honoriert. Die Folge: Die Qualität bleibt hierbei oft auf der Strecke. Die Selbstausbeutung nimmt zu. Ziel unseres Panels ist die reale Erfassung der Leistungsarten in den einzelnen Rundfunkanstalten – die genaue Benennung der veränderten Arbeitsfelder mit Zuordnung der bestehenden Honorarlisten der einzelnen Anstalten – wie die Forderung der gerechten Honorierung der neuen Leistungsarten.

Haltet den Dieb! Urheberrecht für Freie

Die digitale Reproduzierbarkeit der Werke ist Gegenwart, aber die Urheberbedingungen der Sender sind in wesentlichen Teilen Jahrzehnte alt. Der Reformbedarf ist unstrittig: Der Schutz der freien Urheber hat große Lücken, zugleich haben die Sender Probleme, die Rechte zu bekommen, die sie eigentlich nutzen wollen. DJV-Urheberrechtsexperte Benno Pöppelmann referiert über die bevorstehenden Änderungen am Urheberrecht und Anforderungen an einen ARD-Urhebertarifvertrag. Die Sicht der Sender stellt Michael Kühn (NDR-Justiziar) vor. Moderation: Tomas Fitzel.

18.00 – ca. 23:00 Uhr

Chill-out:
Feierabend im Foyer

Fortsetzung der Fach- und sonstigen Gespräche, mit ein bisschen Musik und einem Glas in der Hand.

Samstag, 23. April

10:00 Uhr

Podiumsdiskussion:
Respekt und Rechte für Freie – und die beste Interessenvertretung

Freie in den Personalrat, das ist in der halben ARD längst eine Normalität. Die andere Hälfte ringt noch um andere Lösungen. Brauchen die speziellen Interessen der Freien eine besondere Interessenvertretung? Oder spalten getrennte Interessenvertretung die Belegschaften immer tiefer in Feste und Freie? Es diskutieren

  • Benno Pöppelmann, DJV-Justiziar
  • Matthias Schirmer, rbb-Personalratsvorsitzender
  • Veronika Mirschel, ver.di-Referatsleiterin
  • Frank Zimmermann, Rundfunkrat (SPD)
  • n.n., Freienvertreterin
  • Moderation: Thomas Prinzler

11:30-12:30 Uhr
Mittagessen im rbb-Kasino

Panels jeweils ab 12:30 Uhr

Alterssicherung mit der Pensionskasse Rundfunk

Es gibt sie, die Betriebsrente für Freie. Und wer den Zuschuss der Sender für die Altersvorsorge bei der Pensionskasse liegen lässt, ist selber schuld. Keine Vorsorgeform ist so sehr auf Freie in Rundfunk zugeschnitten – schließlich wurde der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit von der Gewerkschaft RFFU (heute ver.di) gemeinsam mit den Sendern ins Leben gerufen. Manfred Kloiber, Bundesvorsitzender der ver.di-Fachgruppe Medien, referiert mit Iris Gebing von der Pensionskasse über bekannte und weniger bekannte Leistungen der PKR – und darüber, was getan werden muss, um die Altersversorgung für Freie auch langfristig zu erhalten.

Immer nur klagen? Oder Einklagen?

Freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trifft es als erstes, wenn Sender umstrukturieren. Auch langjährige Mitarbeit schützt nicht davor, plötzlich mit Einschränkungen und Beendigungen konfrontiert zu werden. Erfolgreiche Statusklagen von vermeintlichen Freien – insbesondere aus nicht Programm gestaltenden Tätigkeitsbereichen – zeigen jedoch, dass die Konstruktion der Sender, Mitarbeiter je nach Bedarf zu beschäftigen oder loszuwerden, arbeitsrechtlich gesehen auf tönernen Füßen steht. Wir wollen in diesem Panel Wege vorstellen und diskutieren, welche Schritte und Mittel so genannten „Freien“ offen stehen, um ihren arbeitsrechtlichen Status zu hinterfragen und damit ihre Situation deutlich zu verbessern. Referent ist Valentin Döring. Er ist als Jurist für verdi zuständig für die Koordination der Tarifarbeit im öffentlichen rechtlichen Rundfunk und war bei der Ausarbeitung des Tarifvertrags für Gagenarbeitnehmer / innen beim Bayrischen Rundfunk maßgeblich beteiligt.

Arbeitsrecht für Freie

Der Gesetzgeber vergisst in der Regel, die Arbeitnehmerähnlichen mitzuregeln. Und selbst wenn: ohne die Voraussetzungen von Arbeitsvertrag und „Stelle“ laufen viele Gesetze ins Leere. Ob Gleichstellung, (Alters-) Diskriminierung, Arbeitsschutz, Fortbildung, Förderung Schwerbehinderter, Benachteiligungsverbote – DJV-Freien-Experte Michael Hirschler analysiert, wann Selbstverpflichtungen, Tarifverträge und Unternehmenskultur Abhilfe schaffen können – und wo neue Gesetze nötig sind.

Arbeitsgruppe:
Freie in die erste Reihe!

Zwei Tage ARD-Freienkongress – und wie weiter? Wir wollen eine Resolution entwerfen und deutlich machen: Wir sind zwar arbeitsrechtlich schwach, aber keine Mitarbeiter zweiter Klasse. Rechte werden nicht verschenkt – und wo es an noch Respekt mangelt, müssen wir ihn uns verschaffen.

14:30 Uhr

Abschluss:
Auf Wiedersehen!

Abstimmung über die Resolution und Abschlussrunde.

 

15 :00 Uhr

Check-out und Abreise