Presseecho:

newspapers-677393_1280Der erste ARD Freienkongress hat umfangreiche Medienresonanz erzeugt.

Eine Auswahl an Links zu Beiträgen findet sich hier:

Beitrag auf NDR.de

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/blog/ARD-Erstes-Treffen-der-Freien-Mitarbeiter,freientreffen100.html

Auch das neue deutschland berichtet:

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1009742.fuer-ein-paar-hundert-euro-rente.html

https://mmm.verdi.de/tarife-und-honorare/ard-freienkongress-respekt-und-rechte-fuer-freie-im-rundfunk-30229

Über die Situation von freien Journalisten berichtet die Süddeutsche Zeitung:

http://www.sueddeutsche.de/medien/freie-journalisten-vogel-im-himmel-1.2963821

Alt und arm?

Strategien gegen Altersarmut freier Journalistinnen und Journalisten

„Wer freiberuflich arbeitet, sollte am besten eine/n Beamtin/Beamten heiraten. Dann ist der Lebensabend einigermaßen gesichert“. Solche Tipps gibt Michael Hirschler, Sozialexperte beim DJV, nur zum Teil mit einem Augenzwinkern. Traurige Realität ist, dass gerade Freiberufler im Alter oft auf Hartz IV angewiesen sind.

Auch für die Freien in den öffentlich-rechtlichen Sendern sieht es nicht besser aus. Wer glaubt, dass sie oder er einfach nur länger arbeiten muss, um das nötige Kleingeld zu erwirtschaften, irrt. Auch für Freie gibt es eine Altersgrenze: die Beschäftigung in den Rundfunkanstalten endet, wenn das Renteneintrittsalter erreicht ist.

Zahlreiche Anstalten trennen sich aber schon vorher von älteren Mitarbeiter/innen. Sei es, dass die Art der Moderation o.ä. nicht mehr modern genug ist. Vielleicht hat der Sender auch Angst, dass die/der Freie „unkündbar“ wird, weil sie/er schon viele Jahrzehnte am gleichen Platz arbeitet. Manchmal sind Ältere auch einfach nur unbequem, weil sie größere Ansprüche und Forderungen stellen als Junge. Und nicht zuletzt haben sie eher gesundheitliche Probleme.

Jenseits der 55 zu arbeiten, ist für die meisten Freien aber eine Notwendigkeit. Häufig haben sie Kinder, die noch in der Ausbildung sind oder andere Unterhaltsverpflichtungen.

„Freie müssen so lang arbeiten dürfen, wie es geht“, sagt Hirschler. Das Recht auf Beschäftigung von Älteren sei allein schon deshalb wichtig, weil in der immer älter werdenden Gesellschaft Beschäftigung eine Notwendigkeit sei.

Freie tun gut daran, so Hirschler, sich bereits während ihrer aktiven Zeit alternative Beschäftigungsmöglichkeiten zu suchen, die sie auch noch im Pensionsalter weiterführen können. Er kennt Journalisten, die nebenbei erfolgreich als Stadtführer arbeiten oder in Redaktionen von Print-Ratgebern oder als Pressesprecher – und so ein zweites Standbein haben.

Die soziale Alternative zur Altersarmut bietet ein/e Partner/in mit festem Einkommen, ein Erbe oder  Hauseigentum.

Für manche ist es ein günstiges Leben im Ausland. In jedem Falle sollten Freie vor dem 54sten Lebensjahr aus der privaten Krankenkasse ausgetreten sein.

Obwohl dauerhaft in der öffentlichen Kritik, ist die gesetzliche Rente, laut Hirschler, besser als ihr Ruf. Sie wird folgendermaßen ermittelt:

Für ein Jahreseinkommen von 36.000€ gibt es einen Rentenpunkt, was zu einer Rente von 1000€ führen würde.

Ganz wichtig: jede/r sollte unbedingt seinen Rentenversicherungsverlauf klären lassen – nicht nur, wenn einem die eigene (zu erwartende) Rente zu niedrig vorkommt. Termine zur Kontenklärung macht man direkt bei der Rentenversicherung.

Man sollte sich auch nicht ausschließlich auf die KSK verlassen: Denn Freie geben ihren Verdienst oftmals geringer an als er ist und zahlen somit zu wenig ein. Konsequenz: später gibt es weniger Rente!

Auf jeden Fall, so der Rat des Experten, sollte man den Zuschuss der Rundfunkanstalten zur Altersvorsorge wahrnehmen! Für Freie, die tagesaktuell arbeiten, beträgt der Zuschuss 4%, für alle anderen 7%. Die Rente, die man so über die Pensionskasse oder das Presseversorgungswerk ansparen kann, ist unter Umständen. höher als die gesetzliche Altersversorgung.

Auch das Autorenversorgungswerk beteiligt sich an der Altersversorgung: Autorinnen und Autoren (aber leider nur die, und nicht solche, die sozialversicherungspflichtig arbeiten), bekommen einen einmaligen Zuschuss von 7500 € ab einem Lebensalter von50 Jahren, wenn gleichzeitig ein Sparvertrag besteht.

Helge Kühl vom DJV empfiehlt, Risikoabsicherung durch Versicherungen. Dazu gibt es unter www.djv.de jede Menge Informationen. Die Sicherungssysteme heißen: Haftpflicht, Krankenversicherung und Risiko- vor Altersvorsorge.

Die Strategie könnte so aussehen:

    • Habe ich alle Risiken abgesichert?
    • Risikotragfähigkeit überprüfen (Welche Einnahmen-Ausgaben habe ich? Gibt es Vermögen/Verbindlichkeiten? Habe ich Rentenansprüche?)
    • Riskobewußtsein schärfen(Keine Aktien kaufen, wenn man keine Ahnung davon hat!)
    • Risikobereitschaft ermitteln (Was für ein Typ bin ich?                       Zocker oder Schisser?)

Grundvoraussetzungen:

  • Mein Girokonto ist immer im Plus!
  • Ich habe eine freie Liqiditätsreserve von 2-3 Monatsgehältern!
  • Habe ich mittelfristige Anforderungen (z.B. Auto)?

Erst dann kommt die Altersversorgung!

Altersvorsorge ist Arbeit, weiß Helge Kühl! Sie muss ständig hinterfragt werden! Je nach Typ gibt es unterschiedliche Modelle. Eine individuelle Beratung ist dringend angeraten!

Matthias Holdermann vom Presseversorgungswerk weist ausdrücklich darauf hin, dass Freie den Zuschuss des Arbeitgebers zur Altersversorgung einfordern sollten!

Die Plattform des Presseversorgungswerkes ist die Allianz Versicherung, da das PVW keine eigene Versicherung ist. Weil große Geldreserven vorhanden sind, kann eine vernünftige Rendite versprochen werden.

Das Presseversorgungswerk bietet eine Risikoversicherung bei Berufsunfähigkeit, die bei Journalisten oftmals durch psychische Erkrankungen, Rücken-Problemen oder Krebs eintritt.

Voraussetzung für die Zahlungen bei Berufsunfähigkeit: Ich kann meinen Beruf für mindestens 6 Monate nicht mehr ausüben.

Bei der Altersversorgung über das Presseversorgungswerk erhalten sozialversicherungspflichtige Freie einen Zuschuss von 4%, nicht Sozialversicherungspflichtige bekommen7%. Scheidet man aus dem Sender aus, können die Verträge bestehen bleiben.

Statt einer Rente zahlt das Presseversorgungswerk das Kapital auch aus.

Für nicht tagesaktuell arbeitende Journalisten empfiehlt sich die Riester-Rente besonders für Menschen mit Kindern. Aber auch für GutNeue_Arbeit_neue_Technikverdiener ist Riester lukrativ, weil sie steuerlich absetzbar ist. Ebenso wie die Basis- oder Rürup-Rente, weil sie ebenfalls steuerlich absetzbar ist. Diese Rentenmodelle werden nicht auf Hartz IV angerechnet. (db)

Eine Präsentation zum Workshop findet sich unter bit.ly/altarm2016

 

 

Immer nur Klagen? Oder Einklagen?!

Workshop_Klagen

Vertonung und Schnitt in der Redaktion, Studioautomation, Videojournalisten – während die Qualität sinkt und die Arbeitsverdichtung zunimmt, geraten Nichtprogrammgestalter wie Cutter / innen, Toningenieur/innen und Studiomitarbeiter/innen zunehmend ins Abseits. Die Deutsche Welle ist leider Vorreiter dieser Entwicklung.

Einerseits gibt es schlechte Stimmung in der Welle, andererseits gibt es eine große Bereitschaft jetzt endlich etwas dagegen zu unternehmen. Manch einer hat weitgereifte Überlegungen, sich einzuklagen. Valentin Döring (ver.di – Medien & Urheberrecht) unterstrich auf dem Panel, dass „Klagen eine Bedrohung für die Sender“ seien aber auch „Faustpfand und ein Druckmittel“ sein können.

Freien die Spielwiese der Sender

Die Gesellschaft und damit auch der Gesetzgeber wollen, dass möglichst viele Personen in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen sind (folgt aus Sozialstaatsprinzip) konstatiert Döring zu Beginn seines Vortrages. „Wir wollen nicht, dass faktisch Feste als Selbständige arbeiten.“ Der öffentlich-rechtliche Rundfunk stehe derzeit unter enormen Druck „ÖRR agiert wie ein privates Unternehmen und ist zu jeder Schweinerei bereit“, so Döring. Die Freien seien die „Spielwiese“.

Zwei Urteile die die Welt verändern !

Nach dem sich 2013 zwei Cutterinnen (BR,rbb) erfolgreich eingeklagt haben, ging ein Ruck durch die Anstalten. Dieses Urteil ist und war wegweisend für die nichtprogrammgestaltenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ÖRR. Die Forderung der Gewerkschaften hier: „Alle „Nichtprogrammgestaltenden“ gehören in die Arbeitnehmerschaft.“ Döring beklagte aber auch, dass Dienstpläne zunehmend nicht mehr ausgehängt würden. Aber auch bei vielen programmgestaltenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern stellt sich zunehmend die Frage, ob das Abwechslungsbedürfnis der Sender wirklich noch gewährleistet sei. So könne faktisch auch bei programmgestaltenden Mitarbeitern – entgegen der ausdrücklich getroffenen Vereinbarung – ein Arbeitsverhältnis vorliegen, so Döring. Aber für die Gruppe der „Programmgestaltenden“ bleibe es dennoch sehr schwieriger sich erfolgreich einzuklagen. Nach deutschem Recht gibt es nur Arbeitnehmer und Selbständige. Arbeitsrechtlich findet eine Prüfung nur auf Antrag einer Vertragspartei statt und somit nur im Klagefall, so Döring. Arbeitsrecht sei Zivilrecht und der Staat mische sich nur „mit Einladung“ ein.  Jeder Einzelfall aber zähle. So sei wichtig als Freie/r, Arbeitsverhältnis bei den Sendern akribisch zu dokumentieren und  alle Unterlagen stets aufzuheben. Denn im Zweifelfall heißt es „Beweisen muss Du es selbst.“

„Ein dickes Brett gebohrt beim BR“

Döring berichtet über den Erfolg den ver.di beim BR erzielen konnte. Bereits vor ein paar Jahren hatten einige Gagisten des BR (Gagisten sind die NPGs in freier Mitarbeit beim BR ) auf Festanstellung geklagt. In einem außerhalb des BR wenig beachteten Urteil hatte das Bundesarbeitsgericht schon 2013 entschieden, dass ihr Anspruch auf Festanstellung rechtens ist. Die Ausgangslage war: Gagisten sind NPGs in freier Mitarbeit im BR. Nach einem Beschluss des ver.di Senderverbandes BR sollte es für diese Gruppe  keinen Tarifvertrag geben. Der BR geriet dadurch unter Druck und teilte den Gagisten schriftlich eine Begrenzung der Beschäftigung mit. Diese Mitteilung löste dann eine Klagewelle aus. Im Rückenwind dieser konnte ver.di erfolgreich einen Tarifvertrag für die Gagenarbeitnehmer verhandeln. Der BR-Tarifvertrag sei ein Kompromiss, so Döring und man habe einen kleinen Teil der Rechte aus dem Manteltarifvertrag aufgeben. Aber die Klage auf alle Rechte bleibe weiterhin möglich.

Wir haben gute Tarifverträge

Döring unterstrich „Wir haben gute Tarifverträge, aber wir müssen sie verteidigen“. Und das müssen wir kollektiv tun und den Sendern zeigen, wer hier das Programm macht. Solidarität unter den Beschäftigten sei das A und O. Und der erste bundesweite ARD-Freienkongress, so Döring, sei ein „toller Auftakt für Solidarität“.(am)

Alterssicherung mit der Pensionskasse Rundfunk

Workshop_PensionskasseManfred Kloiber, Bundesvorsitzender der ver.di-Fachgruppe Medien referiert mit Walter Schumacher von der Pensionskasse über bekannte und weniger bekannte Leistungen der PKR – und darüber, was getan werden muss, um die Altersversorgung für Freie auch langfristig zu erhalten.

Was ist die Pensionskasse Rundfunk?

Sozusagen die betriebliche Altersvorsorge für Freie bei ARD und ZDF (und bei vielen Produktionsfirmen (Liste: http://www.pensionskasse-rundfunk.de/produzenten))

Gegründet 1971 von den Rundfunkanstalten und dem ver.di-Vorläufer RFFU.

Warum sollte man das machen?

Vorteil 1 Geschenktes Geld: Der Sender zahlt dazu – 7 oder 4 Prozent, je nachdem, ob man zusätzlich noch in der Rentenversicherung oder KSK versichert ist.

Vorteil 2 Flexibel für Freie: Man kann wählen, ob man 4 oder 7 Prozent seines Einkommens ansparen will. Es gibt also keinen festen Monatssätze, sondern der Beitrag verändert sich mit dem Einkommensschwankungen mit: Wenn man wenig verdient, muss man auch wenig zahlen.

Vorteil 3 Schlanke Verwaltung: Die Pensionskasse Rundfunk verzichtet auf Vertreterprovisionen und hält die Personal- und Sachkosten gering. Wichtige Beschlüsse werden einmal im Jahr von gewählten Mitgliedervertretern gemeinsam getroffen

Wenn ich nicht mehr beim Sender arbeite (oder Festangestellter werde), wo bleibt das Geld?

Nichts geht verloren. Die Mitgliedschaft verwandelt sich in eine passive Mitgliedschaft, das angesparte Geld wird weiterverzinst und mit der Rente ausgezahlt. Es gibt auch die Möglichkeit, freiwillig weiter Beiträge zu zahlen. Man kann auch jederzeit von einer passiven zurück in eine aktive Mitgliedschaft wechseln.

Was passiert, wenn ich in finanzielle Schwierigkeiten gerate?

Die Pensionskasse Rundfunk ist „HartzIV-sicher“, an das Geld kann also vor der Rente niemand ran – auch nicht die Mitglieder. Es gibt aber einen Sozialfonds, über den z.B. zinslose Kredite beantragt werden können, wenn man in Not gerät.

Kann man im freiwillig mehr einzahlen, z.B. wenn man zu spät mit der Altersvorsorge angefangen hat?

Ja, bis zu 36.000 im Jahr. Allerdings zahlt dann der Sender nicht dazu.

Kann ich als Mitglied mitentscheiden, was mit dem Geld passiert?

Ja, jedes Mitglied kann sich für seinen Sender als Vertreter aufstellen und wählen lassen. Auch im Aufsichtsrat sind die Freien Mitarbeiter vertreten. (FW)

Garanten der Rundfunkfreiheit oder billige Personalreserve?

Als vor fast 35 Jahren das Bundesverfassungsgericht über die Rolle der Freien im Rundfunk urteilte, hatte es vor allem selbständige Autoren, meinungsstarke Kommentatoren und profilierte Moderatoren vor Augen. Dass dem heute längst nicht mehr so ist, machte die Eröffnungsdiskussion auf dem ersten ARD Freienkongress deutlich. Es diskutierten: Dr. Claudia Nothelle, Programmdirektorin des Rundfunk Berlin-Brandenburg, Knut Zilian (DJV), Personalrat im Hessischen Rundfunk, Frank Werneke, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft ver.di, Kerstin Schweighöfer, freie Journalistin und Vorsitzende von Weltreporter.net sowie Stefan Gelbhaar (Bündnis 90/Grüne), Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und Rundfunkratsmitglied des rbb. Moderiert wurde die Veranstaltung von Daniel Bouhs, freier Medienjournalist für Radio, Fernsehen und Zeitung.

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Podiumsdiskussion zur Eröffnung des ARD Freienkongress

Auf die Frage an Claudia Nothelle, ob freie Mitarbeiter eher Garanten der Rundfunkfreiheit oder billige Personalreserve seien, betonte die Programmdirektorin des rbb die wichtige Bedeutung der Freien in den Rundfunkanstalten. „Freie sind die tragenden Säulen des Programms“, so ihr Eingangsstatement. Das gelte auch, wenn das Verhältnis zwischen Freien und Geschäftsleitung nicht immer konfliktfrei sei. Nothelle würdigte, dass es oft freie Mitarbeiter sind, die die wichtigen Preise gewinnen, mit denen dann die Rundfunkhäuser glänzten.

Claudia Nothelle, Programmdirektorin des rbb.
Claudia Nothelle, Programmdirektorin des rbb.

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Knud Zilian ist seit 35 Jahren freier Mitarbeiter und vertritt seine „Zunft“ im Personalrat des Hessischen Rundfunks. Als Vertreter der Freien setzt er sich hier für Kollegen aus den unterschiedlichsten Bereichen ein. Neben CVDs, Reportern und redaktionellen Mitarbeitern hat er sogar einen freien Lageristen auf den Honorarlisten des HR entdeckt. Freie sieht er als Garanten der Rundfunkfreiheit und billige Personalreserve gleichermaßen. „Ein Intendant hat mal gesagt: Freie sind das Salz in der Suppe. Im Moment ist die Suppe jedoch versalzen“, sagt Zilian.

Frank Werneke ist es als Ver.di Vertreter wichtig, für einen unabhängigen Rundfunk zu streiten, der auch fairer Arbeitgeber ist. Es sei notwendig, Festanstellungen möglich zu machen, ohne dass sie eingeklagt werden müssen. Den Auftrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sieht er eng mit den zukünftigen Aufgaben und deren Rechtfertigung verknüpft. Das gilt besonders in Zeiten, in denen die Funktion der Öffentlich-Rechtlichen, streitig gemacht werde. Eine wichtige aktuelle Baustelle ist dabei auch die Vertretung der Mitarbeiter und damit die Neuregelung des Staatsvertrages für das Deutschlandradio, denn auch hier wollen man ein aktives und passives Wahlrecht für Freie.

Kerstin_Schweighöfer

Kerstin Schweighöfer stellt fest, dass sie als freie Rundfunkjournalistin bereits jetzt wesentlich mehr für ihr Geld arbeiten muss und immer mehr zu einem „Hungerlohn“ bezahlt wird. Häufig werden zusätzlich unentgeldliche Leistungen verlangt. Sie sieht die Freien als Garanten des öffentlich-rechtlichen Rundfunk und fordert für die Tatsache, dass diese als „tragende Säulen“ bezeichnet werden, dafür auch einen „Denkmalschutz“.

Stefan_GelbhaarDass aus der einstiegen Sachentscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Rolle von Freien inzwischen eine Finanzentscheidung geworden ist, betrachtet Stefan Gelbhaar kritisch. Als wichtigen Schritt zur Thematisierung der Situation von freien Mitarbeitern rechnet er die Umsetzung von Freienvertretungen, die inzwischen staatsvertraglich geregelt ist. „Es hätte jedoch auch etwas mehr sein können“, wird ihm immer wieder auch von politischer Seite bestätigt.

Die Diskussionsrunde wurde durch zahlreiche Beiträge der anwesenden Freien ergänzt. Allen gemein war war die Forderung nach mehr Gleichbehandlung und angemessener Honorierung ihrer Leistung als freie Mitarbeiter in den Rundfunkanstalten. (jme/am)

Die Diskussion als Audio:

Medienjournalist Daniel Bouhs.
Medienjournalist Daniel Bouhs.

Sein Motto: Frei aus Leidenschaft! Daniel Bouhs modierte die Veranstaltung.

Neue Technik – Neue Arbeit

Moderation/ Webmail Dagmar Melzer

Die Automatisierung in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten schreitet unaufhörlich voran. Sogenannte Smart Production – preiswerte neue Produktionssysteme, mit denen auch anspruchsvolle Aufgaben billiger und schneller bewältigt werden sollen, ist nur eine der neuen digitale Techniken die diesen Prozess rasant befeuern. Ebenso schnell scheinen sich die Berufsbilder in der Hörfunk- und Fernseh- und Onlineproduktion zu verändern. Die neue Technik bündelt mehr Aufgabenfelder, die Arbeitsdichte in den einzelnen Berufen steigt „exorbitant“. Die Honorare der freien MitarbeiterInnen leider nicht. – Diese Entwicklung betrifft die redaktionellen Bereiche genau wie die Produktion/Herstellung.

Die Freiensprecherin Dagmar Menzel hat zwei „Worst Case Szenarien“ aus ihrem Berufsumfeld bei der Deutschen Welle exemplarisch herausgegriffen. Sie erläutert am Beispiel eines Studiobeleuchters wie der Aufgabenumfang wächst und sich das zu bewältigende Sendevolumen verdoppelt. Am Ende , so erläutert sie, sind die zu bewältigenden Aufgaben an einem Sendetag um 50% gestiegen, das Honorar in dem Betrachtungszeitraum von 14 Jahren aber nur um rund 29%.

Am Beispiel der bei der Deutschen Welle eingesetzten Videojournalisten zeigt sie exemplarisch auf, welche Aufgaben dieser Journalist heute erfüllen muß. Neben der angestammten Autoren/Recherche Tätigkeit kommen Aufgaben als Kamera-Operator, Beleuchter, Tontechniker, Cutter dazu. Selbstverständlich muß Fremdmaterial recherchiert und die Rechteklärung erledigt und schließlich der Beitrag noch gesprochen werden.

Für einen 3 -5 minütigen Magazin Clip, basierend auf 2 Recherche/ Reisetagen und einem Dreh/Schnitt/Sprechen/Auspieltag erhält der Autor bei der Deutschen Welle letztlich 1078,44 € brutto für die Verbreitungswege TV Internet und Podcast. Der MDR hält die erbrachte Leistung des Videoschnitts nicht einmal für honorarwürdig, „weil schließlich der Hörfunk das seit Jahren schließlich auch macht.“

Die in den Sendeanstalten existierenden Honorarrahmen / Tarifverträge scheinen die tatsächlichen Aufgaben der neuen Berufsbilder nicht zu erfassen. Eine differenzierte Darstellung der beinhalteten Tätigkeiten müssen dringend erarbeitet werden. Dies könnte Grundlage einer gerechteren Honorierung sein.

Abschließend wurde kurz die Frage der Art der Honorierung thematisiert. Könnte die Videoschnittleistung analog zu dem Modell der Gebührenverordnung von Zahnärzten und Rechtsanwälten oder der Aufgabenkataloge in der Softwareentwicklung einen festen Preis bekommen, oder bleibt man bei der bewährten Honorierung von geleisteter Arbeitszeit?

Die Teilnehmerinnen des Panels verabreden zeitnah in ihren Sendeanstalten Beispiele „multipler“ Berufsbilder – ähnlich wie die Beispiele Dagmar Melzers – nach Aufgaben und Zeit zu erfassen und auszutauschen.

Kontakt: demelzer(ät)snafu.de

(LM)

 

„Alles ist möglich“ – Tarif und Wirklichkeit

Workshop_Tarif12 Sender, 30 Freie im Workshop, hunderte Daten in knapp zwei Stunden – unübersichtlicher als die Faktenlage bei den real existierenden Honoraren und sozialen Schutzrechten für Freie geht es kaum. Vorläufiges Ergebnis: more research is needed.

Wie viel verdient man in eurem Sender für einen ganz normalen Tag im Redaktionsdienst? „300 Euro beim Deutschlandradio“, „274 beim SWR“, „170-180 beim MDR“. Beim RBB macht jede Redaktion ihr eigenes Ding, einen Tarifvertrag gibt es nicht. Und beim NDR gibt es offiziell nicht mal Tagessätze für Redaktionsdienste, was nicht bedeutet, dass  keine gezahlt würden. Einen Tag arbeiten zum Preis von fünf Nachrichtenminuten macht knapp 250 Euro. Und wer im Fernsehen Stücke für Tagesschau und Tagesthemen macht, bekommt stolze 440 pro Tag. Alles ist möglich.

Größer sind die Ähnlichkeiten bei den sozialen Schutzrechten für Arbeitnehmerähnliche. Bezahlten Urlaub gibt es überall – im Prinzip sechs Wochen im Jahr wie bei den Festen, die Höhe richtet sich indivuduell nach den Vorjahresbezügen. Bei der Fortzahlung im Krankheitsfall geht die Schere auseinander. „100 Prozent ab dem 1. Krankheitstag“ – „67 Prozent ab dem 4. Tag“ – „Krankengeld-Aufstockung bis zu 6 Monaten“, aber nur für Kolleginnen und Kollegen, die mindestens 15 Jahre ununterbrochen dabei sind. Der BR zahlt pro Kind und Monat 117 Euro Familienzuschlag, die Deutsche Welle pro Jahr bis zu 1000 Euro „Betreuungszuschuss“.

Planungssicherheit und Bestandsschutz? Es gibt zweite und dritte Kreise, Bestandsschutztarifverträge für Nicht-Programmgestaltende, Sonderregelungen für langjährige bzw. ältere Freie, bis hin zur de-facto-Unkündbarkeit – aber nur für begrenzte Gruppen. Für das Gros gilt: Bis zu 20 Prozent darf das Einkommen meisten sinken (beim rbb 25 Prozent), sonst sind Ausgleichszahlungen fällig. Die Berechnungsmethoden dafür sind verschieden, bei einer Gemeinsamkeit: „Die Regelungen sind da, sie schützen aber nicht“ – die Mechanik aus den 80er Jahren geht an der Wirklichkeit der Jetztzeit vorbei.

Ersatzhonorare bei Fortbildungen? Beim SR ohne wenn und aber zum üblichen Tagessatz, beim Deutschlandradio und rbb zum ermäßigten Satz und nur bei besonderem Interesse des Senders, beim NDR gar nicht.
Welcher Sender behandelt seine Freien am besten? Was ist wichtiger – ein hohes Honorarniveau, lange Ankündigungsfristen oder durchsetzbare Regeln? Uns war klar, dass wir Äpfel mit Birnen vergleichen würden, jetzt stehen wir vor der Vermessung eines ganzen Obstkorbs. Gerade bei der Beurteilung von Werkhonoraren fehlen uns Daten – denn Sendelängen sagen nichts über den Aufwand, den die Urheber betreiben müssen. Wir wollen die Datensammlung  systematisch betreiben, etwa durch eine Datenbank auf der künftigen Internetpräsenz der ARD-und-ZDF-Freien. Denn ohne Transparenz keine Gerechtigkeit. Und möglich ist jedenfalls alles. (cr)

Der Countdown läuft!

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Im Büro der Freienvertretung im Fernsehzentrum des RBB gibt es noch viel zu tun.  Die letzten Vorbereitungen für den ARD-Freienkongress müssen erledigt werden. Während Christoph Hölscher als gewählter Freienvertreter des Rundfunk Berlin-Brandenburg aus Potsdam damit beschäftigt ist, letzte Mailings zu formulieren, nimmt DSC_0196Jaqueline Moczygemba im Sekretariat Anmeldungen an. Sie prüft Listen und bereitet Namensschilder vor. „Das ist wichtig,  damit aus dem Kongress ein richtiges Netzwerktreffen wird“, sagt Hölscher. „Wir wollen, dass sich die Kollegen auch untereinander kennenlernen und darüber austauschen, was sie wirklich bewegt“, fügt er hinzu. Am Freitag ist Premiere: Zum ersten Mal in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gibt es einen bundesweiten Kongress für freie Mitarbeiter von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg ist Gastgeber für das Treffen, zu dem sich bereits über einhundertfünfzig Kollegen aus der Branche aus ganz Deutschland angemeldet. Zahlreiche Fragen sollen am Freitag und Samstag auf den Podien in den Studios des Fernsehzentrums der Berliner Masurenallee diskutiert und geklärt werden. Hierzu haben die Organisatoren nicht nur Fachleute rund um die Themen Arbeitsrecht, Altersversorgung und Urheberrecht eingeladen.

In Podiumsdiskussionen, Workshops und verschiedenen Informationsveranstaltungen soll die Situation der freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im öffentlich-rechtlichen Rundfunk beleuchtet werden. Im Vordergrund stehen dabei, neben Fragen des Arbeitsrechts, die sich verändernde Funktion der Freien in den Sendern und im Programm sowie die reibungslose Zusammenarbeit mit den festangestellten Kolleginnen und Kollegen. Die Möglichkeiten einer effektiven Interessenvertretung sind ebenso von Bedeutung, wie Service- und Beratungsangebote zu Altersvorsorge, Urheberrechts- oder Versicherungsfragen.

Die Postfächer der Freienvertretung sind gut gefüllt mit Anfragen zu diesen und weiteren Themen.

DSC_0199 Kopie 2Schließlich wünschen sich alle, dass der Kongress ein Erfolg wird. Geplant sind zukünftig jährliche Treffen. Der Austausch unter den freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nimmt dabei einen großen Raum ein. Am Ende des ersten Kongresses soll eine Resolution stehen.

„Respekt und Rechte für Freie!“