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Neue Technik – Neue Arbeit

Moderation/ Webmail Dagmar Melzer

Die Automatisierung in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten schreitet unaufhörlich voran. Sogenannte Smart Production – preiswerte neue Produktionssysteme, mit denen auch anspruchsvolle Aufgaben billiger und schneller bewältigt werden sollen, ist nur eine der neuen digitale Techniken die diesen Prozess rasant befeuern. Ebenso schnell scheinen sich die Berufsbilder in der Hörfunk- und Fernseh- und Onlineproduktion zu verändern. Die neue Technik bündelt mehr Aufgabenfelder, die Arbeitsdichte in den einzelnen Berufen steigt „exorbitant“. Die Honorare der freien MitarbeiterInnen leider nicht. – Diese Entwicklung betrifft die redaktionellen Bereiche genau wie die Produktion/Herstellung.

Die Freiensprecherin Dagmar Menzel hat zwei „Worst Case Szenarien“ aus ihrem Berufsumfeld bei der Deutschen Welle exemplarisch herausgegriffen. Sie erläutert am Beispiel eines Studiobeleuchters wie der Aufgabenumfang wächst und sich das zu bewältigende Sendevolumen verdoppelt. Am Ende , so erläutert sie, sind die zu bewältigenden Aufgaben an einem Sendetag um 50% gestiegen, das Honorar in dem Betrachtungszeitraum von 14 Jahren aber nur um rund 29%.

Am Beispiel der bei der Deutschen Welle eingesetzten Videojournalisten zeigt sie exemplarisch auf, welche Aufgaben dieser Journalist heute erfüllen muß. Neben der angestammten Autoren/Recherche Tätigkeit kommen Aufgaben als Kamera-Operator, Beleuchter, Tontechniker, Cutter dazu. Selbstverständlich muß Fremdmaterial recherchiert und die Rechteklärung erledigt und schließlich der Beitrag noch gesprochen werden.

Für einen 3 -5 minütigen Magazin Clip, basierend auf 2 Recherche/ Reisetagen und einem Dreh/Schnitt/Sprechen/Auspieltag erhält der Autor bei der Deutschen Welle letztlich 1078,44 € brutto für die Verbreitungswege TV Internet und Podcast. Der MDR hält die erbrachte Leistung des Videoschnitts nicht einmal für honorarwürdig, „weil schließlich der Hörfunk das seit Jahren schließlich auch macht.“

Die in den Sendeanstalten existierenden Honorarrahmen / Tarifverträge scheinen die tatsächlichen Aufgaben der neuen Berufsbilder nicht zu erfassen. Eine differenzierte Darstellung der beinhalteten Tätigkeiten müssen dringend erarbeitet werden. Dies könnte Grundlage einer gerechteren Honorierung sein.

Abschließend wurde kurz die Frage der Art der Honorierung thematisiert. Könnte die Videoschnittleistung analog zu dem Modell der Gebührenverordnung von Zahnärzten und Rechtsanwälten oder der Aufgabenkataloge in der Softwareentwicklung einen festen Preis bekommen, oder bleibt man bei der bewährten Honorierung von geleisteter Arbeitszeit?

Die Teilnehmerinnen des Panels verabreden zeitnah in ihren Sendeanstalten Beispiele „multipler“ Berufsbilder – ähnlich wie die Beispiele Dagmar Melzers – nach Aufgaben und Zeit zu erfassen und auszutauschen.

Kontakt: demelzer(ät)snafu.de

(LM)