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Alt und arm?

Strategien gegen Altersarmut freier Journalistinnen und Journalisten

„Wer freiberuflich arbeitet, sollte am besten eine/n Beamtin/Beamten heiraten. Dann ist der Lebensabend einigermaßen gesichert“. Solche Tipps gibt Michael Hirschler, Sozialexperte beim DJV, nur zum Teil mit einem Augenzwinkern. Traurige Realität ist, dass gerade Freiberufler im Alter oft auf Hartz IV angewiesen sind.

Auch für die Freien in den öffentlich-rechtlichen Sendern sieht es nicht besser aus. Wer glaubt, dass sie oder er einfach nur länger arbeiten muss, um das nötige Kleingeld zu erwirtschaften, irrt. Auch für Freie gibt es eine Altersgrenze: die Beschäftigung in den Rundfunkanstalten endet, wenn das Renteneintrittsalter erreicht ist.

Zahlreiche Anstalten trennen sich aber schon vorher von älteren Mitarbeiter/innen. Sei es, dass die Art der Moderation o.ä. nicht mehr modern genug ist. Vielleicht hat der Sender auch Angst, dass die/der Freie „unkündbar“ wird, weil sie/er schon viele Jahrzehnte am gleichen Platz arbeitet. Manchmal sind Ältere auch einfach nur unbequem, weil sie größere Ansprüche und Forderungen stellen als Junge. Und nicht zuletzt haben sie eher gesundheitliche Probleme.

Jenseits der 55 zu arbeiten, ist für die meisten Freien aber eine Notwendigkeit. Häufig haben sie Kinder, die noch in der Ausbildung sind oder andere Unterhaltsverpflichtungen.

„Freie müssen so lang arbeiten dürfen, wie es geht“, sagt Hirschler. Das Recht auf Beschäftigung von Älteren sei allein schon deshalb wichtig, weil in der immer älter werdenden Gesellschaft Beschäftigung eine Notwendigkeit sei.

Freie tun gut daran, so Hirschler, sich bereits während ihrer aktiven Zeit alternative Beschäftigungsmöglichkeiten zu suchen, die sie auch noch im Pensionsalter weiterführen können. Er kennt Journalisten, die nebenbei erfolgreich als Stadtführer arbeiten oder in Redaktionen von Print-Ratgebern oder als Pressesprecher – und so ein zweites Standbein haben.

Die soziale Alternative zur Altersarmut bietet ein/e Partner/in mit festem Einkommen, ein Erbe oder  Hauseigentum.

Für manche ist es ein günstiges Leben im Ausland. In jedem Falle sollten Freie vor dem 54sten Lebensjahr aus der privaten Krankenkasse ausgetreten sein.

Obwohl dauerhaft in der öffentlichen Kritik, ist die gesetzliche Rente, laut Hirschler, besser als ihr Ruf. Sie wird folgendermaßen ermittelt:

Für ein Jahreseinkommen von 36.000€ gibt es einen Rentenpunkt, was zu einer Rente von 1000€ führen würde.

Ganz wichtig: jede/r sollte unbedingt seinen Rentenversicherungsverlauf klären lassen – nicht nur, wenn einem die eigene (zu erwartende) Rente zu niedrig vorkommt. Termine zur Kontenklärung macht man direkt bei der Rentenversicherung.

Man sollte sich auch nicht ausschließlich auf die KSK verlassen: Denn Freie geben ihren Verdienst oftmals geringer an als er ist und zahlen somit zu wenig ein. Konsequenz: später gibt es weniger Rente!

Auf jeden Fall, so der Rat des Experten, sollte man den Zuschuss der Rundfunkanstalten zur Altersvorsorge wahrnehmen! Für Freie, die tagesaktuell arbeiten, beträgt der Zuschuss 4%, für alle anderen 7%. Die Rente, die man so über die Pensionskasse oder das Presseversorgungswerk ansparen kann, ist unter Umständen. höher als die gesetzliche Altersversorgung.

Auch das Autorenversorgungswerk beteiligt sich an der Altersversorgung: Autorinnen und Autoren (aber leider nur die, und nicht solche, die sozialversicherungspflichtig arbeiten), bekommen einen einmaligen Zuschuss von 7500 € ab einem Lebensalter von50 Jahren, wenn gleichzeitig ein Sparvertrag besteht.

Helge Kühl vom DJV empfiehlt, Risikoabsicherung durch Versicherungen. Dazu gibt es unter www.djv.de jede Menge Informationen. Die Sicherungssysteme heißen: Haftpflicht, Krankenversicherung und Risiko- vor Altersvorsorge.

Die Strategie könnte so aussehen:

    • Habe ich alle Risiken abgesichert?
    • Risikotragfähigkeit überprüfen (Welche Einnahmen-Ausgaben habe ich? Gibt es Vermögen/Verbindlichkeiten? Habe ich Rentenansprüche?)
    • Riskobewußtsein schärfen(Keine Aktien kaufen, wenn man keine Ahnung davon hat!)
    • Risikobereitschaft ermitteln (Was für ein Typ bin ich?                       Zocker oder Schisser?)

Grundvoraussetzungen:

  • Mein Girokonto ist immer im Plus!
  • Ich habe eine freie Liqiditätsreserve von 2-3 Monatsgehältern!
  • Habe ich mittelfristige Anforderungen (z.B. Auto)?

Erst dann kommt die Altersversorgung!

Altersvorsorge ist Arbeit, weiß Helge Kühl! Sie muss ständig hinterfragt werden! Je nach Typ gibt es unterschiedliche Modelle. Eine individuelle Beratung ist dringend angeraten!

Matthias Holdermann vom Presseversorgungswerk weist ausdrücklich darauf hin, dass Freie den Zuschuss des Arbeitgebers zur Altersversorgung einfordern sollten!

Die Plattform des Presseversorgungswerkes ist die Allianz Versicherung, da das PVW keine eigene Versicherung ist. Weil große Geldreserven vorhanden sind, kann eine vernünftige Rendite versprochen werden.

Das Presseversorgungswerk bietet eine Risikoversicherung bei Berufsunfähigkeit, die bei Journalisten oftmals durch psychische Erkrankungen, Rücken-Problemen oder Krebs eintritt.

Voraussetzung für die Zahlungen bei Berufsunfähigkeit: Ich kann meinen Beruf für mindestens 6 Monate nicht mehr ausüben.

Bei der Altersversorgung über das Presseversorgungswerk erhalten sozialversicherungspflichtige Freie einen Zuschuss von 4%, nicht Sozialversicherungspflichtige bekommen7%. Scheidet man aus dem Sender aus, können die Verträge bestehen bleiben.

Statt einer Rente zahlt das Presseversorgungswerk das Kapital auch aus.

Für nicht tagesaktuell arbeitende Journalisten empfiehlt sich die Riester-Rente besonders für Menschen mit Kindern. Aber auch für GutNeue_Arbeit_neue_Technikverdiener ist Riester lukrativ, weil sie steuerlich absetzbar ist. Ebenso wie die Basis- oder Rürup-Rente, weil sie ebenfalls steuerlich absetzbar ist. Diese Rentenmodelle werden nicht auf Hartz IV angerechnet. (db)

Eine Präsentation zum Workshop findet sich unter bit.ly/altarm2016